gut gebrüllt

Speicherkarten werden immer aggressiver

aggressive Speicherkarte
Ich nehme an, sie bekommt dann den viel zitierten “Datenanfall”.

link - 14.01.2006 | 14:17

Jahresendabrechnung, verspätete

Kurz vor Jahresende, die Feiertage stehen vor der Tür, schnell mal noch die Liste der damals gefassten Vorsätze überflogen: Oje. Aus dem fertig studieren ist nichts geworden. Mehr lächeln konnte allenfalls Etappensiege verzeichnen, klüger werden hat auch nur so lala geklappt. Zur Politur der persönlichen Jahresendbilanz 2005 muss also dringend noch etwas passieren. Die angekündigten Handgreiflichkeiten zur muskulaturunterstützten Wiederherstellung kosmischer Gerechtigkeit fanden auch nicht statt, weil mir die betreffende Person das ganze Jahr lang nicht über den Weg gelaufen ist. Notfalls ließe sich da für KW 52 noch ein Treffen arrangieren, aber das ist mir jetzt zu unsicher. So kurz vor Jahresende sollte man lieber seinen Blick fürs kurzfristig Machbare schärfen. Also: der Kühlschrank.

Ein kurzer Check der Umstände ergibt: die Situation ist denkbar günstig. Menge des Kühlschrankinhalts sowie persönliche Laune sind gleichermaßen auf historischem Tiefstand. Ein beherzter Griff trennt das Elektrogerät von der Stromversorgung, umgehend verstummt das sonore Brummen des Kompressors. Die aufgeklappte Tür gibt nach dem Aushaken des Eisfachdeckels den Blick frei auf eine Eisschicht, die unter der Decke noch Platz für etwa eine Pizza lässt. Bei gewaltsamem Vorgehen vielleicht sogar für so eine mit dickem Boden im Pizza-Hut-Style. Ich halte am Küchentisch sitzend eine leere Kaffeetasse schräg und verfolge, wie beim Drehen der Tasse die wenigen darin verbliebenen Tropfen zäh am Rand des Bodens entlangfließen. Aus dem Augenwinkel schiele ich gelegentlich mißmutig auf den Kühlschrank, der nach wie vor keine nennenswerte Reaktion darauf zeigt, dass ihm der Saft abgedreht wurde.

Zur Wartezeitverkürzung bis zum Einsetzen der Eisschmelze rufe ich F. an, um ihm mitzuteilen, welch großartigem Ereignis er da gerade beiwohnt. Zwar jetzt nicht direkt räumlich, aber immerhin im Geiste. Wortreich schildere ich den Ist-Zustand der Vereisung und die zu erwartende Wassermenge. Er mutmaßt, bei einem solch abartigen Vereisungsgrad sei garantiert die Türdichtung defekt. Das Telefon in der einen, die leere Tasse in der anderen Hand wandere ich durch die Wohnung und kündige an, diesen Mangel bei nächster Gelegenheit zu überprüfen. Die Feststellung dieses Umstands, gibt F. jedoch zu bedenken, sei so einfach nicht möglich, schon gar nicht mit den in einem Frauenhaushalt verfügbaren Bordmitteln. Ich hätte aber mal gelesen, erwidere ich, man brauche dazu lediglich eine eingeschaltete Taschenlampe in den Kühlschrank zu legen und dessen Tür zu schließen. Bei verdunkeltem Raum ließe sich nun leicht feststellen, ob die Dichtung noch vollständig intakt sei. Der letzte Teil des Satzes geht bereits in Gelächter unter. Amüsiert gackert F. in den Hörer und vermutet, dass der Glanz in meinen Augen wohl ebenfalls von einer eingeschalteten Taschenlampe verursacht werde, welche sich in meinem Hirn befinden müsse. Denn dort, so nimmt er an, sei bei mir auch etwas nicht mehr ganz dicht, wenn ich solch einen Quatsch glauben würde.

Ich höre, dass in der Küche etwas zu tropfen begonnen hat und beende die Unterhaltung. Lächelnd. Für 2006 keine Vorsätze.

link - 12.01.2006 | 16:08

“Wie der Brenner selber noch in die Schule gegangen ist, Puntigamer Gymnasium, hat er einmal einen Blödsinn gemacht. Die zertrümmerte Fensterscheibe hätte man dem Halbstarken wahrscheinlich gar nicht so übel genommen, weil Allgemeinbildung: Das gehört bei einem richtigen Bubenleben dazu. Aber daß er die Scheibe zertrümmert hat, indem er die Nachbarkatze wie den reinsten Fußball vom Gehsteig aus durchs geschlossene Fenster ins Wohnzimmer geschossen hat, das hat schon ein bißchen für Gerede in Puntigam gesorgt. (…)
Der Nachbarkatze damals in Puntigam hat das gar nichts ausgemacht. Weil Katze natürlich neun Leben, der hat das sogar getaugt. Die Angorahaare natürlich sind nur so geflogen, da hätte sich die Nachbarin ohne weiteres einen Pullover stricken können, aber sonst kein Hinken und kein gar nichts. Und pädagogischer Effekt großartig, weil die Katze ist tagelang nicht mehr auf dem Gehsteig herumgesessen und hat blöd in die Gegend geschaut. Das war es ja, was den dreizehnjährigen Burschen an ihr so aufgeregt hat. Weil wenn du heute dreizehn bist und den ganzen Tag nur am Gehsteig herumlungerst und blöd in die Gegend schaust, siehst du es nicht gern, daß dich eine Katze nachäfft.”

(Wolf Haas: Silentium!)

link - 11.01.2006 | 23:23

ICE 1500

“Ich bin ja so ein unruhiger Geist, der erst zufrieden ist, wenn sich etwas bewegt.” schreibt die Frau auf dem Platz neben mir in etwas zu groß geratener Handschrift in eine Grußkarte, deren Vorderseite das Foto einer in einem Wäschekorb sitzenden Katze zeigt. In Bitterfeld ist das Wetter so, wie ich es für eine Stadt mit diesem Namen ganzjährig erwarten würde. Eine halbe Stunde später ist der unruhige Geist eingeschlafen und sabbert Speichelfäden in den Mittelgang.

link - 09.01.2006 | 14:58