gut gebrüllt

Kuschelporzellan touch!

link - 29.10.2005 | 15:36

Schweinische Fotos

Zugegeben, allmählich wird es etwas monothematisch hier auf gut gebrüllt, dem Zentralorgan für Mardergeschädigte. Nicht umsonst heißt es allerdings: Kinder, Tiere, Tote – alles das bringt Quote. Mangels verfügbaren ersteren und letzteren geht’s deswegen fröhlich ins Wochenende mit exklusivem Schweinkram (mit bestem Dank an Ingo Herzog):
Campusschwein
Ilmenau hat seit Beginn der Woche ein veritables Campusschwein. Grund und Zweck der Aktion sind bisher noch ungeklärt. Aber schon nächste Woche wird das sicherlich niemanden mehr interessieren, denn da wird (Achtung – Kalaueralarm!) bestimmt längst eine andere Sau durchs Dorf getrieben (ich hatte gewarnt).

link - 28.10.2005 | 00:33

Ex-Co-Praktikant C. erschien damals eines Morgens etwas verspätet im gemeinsamen Büro und berichtete, dass er gerade aus der Autowerkstatt komme. Sein Auto sei nicht angesprungen und der gerufene Pannendienst habe nach einem flüchtigen Blick in den Motorraum schnell die Ursache gefunden und ein defektes Zündkabel festgestellt. C., ursprünglich vietnamesischer Herkunft, lebte bereits seit einigen Jahren in Deutschland und sprach und verstand bestens die deutsche Sprache, aber mit der vom Kfz-Meister aufgeschnappten Diagnose „Marderschaden“ wusste er dennoch nichts anzufangen. Aufgrund des insgesamt etwas uncharmanten Verhaltens der Werkstattmitarbeiter hatte er sich anschließend auch nicht weiter nachzufragen getraut.

Ich erläuterte, dass ein Marder ein Tier sei. In der Tat, den Begriff habe er schon mal gehört, stimmte C. zu. Und dieses Tier halte sich von der Wärme angelockt ganz gerne in Motorräumen von Autos auf, berichtete ich weiter, wo es sich dann leider häufig auch an Kabeln und Schläuchen verginge. C. zeigte sich von diesem Umstand etwas irritiert und wollte nicht glauben, dass dadurch solche Schäden entstehen könnten. Wie groß so ein gewöhnlicher Marder denn sei, fragte er. Ich modellierte mit den Händen etwas in der Größe einer Katze. C. riss entsetzt die Augen auf und hielt mir vor, ich würde ihn veräppeln wollen. Ich dementierte diesen Vorwurf und legte erneut dar, es handele sich bei einem Marder tatsächlich um ein etwa katzengroßes Tier mit braunem Fell, das… weiter kam ich gar nicht. Fell? fragte er wieder ungläubig. Ich nickte, mittlerweile auch beirrt, und verstand nicht, was ihn daran so irritierte.

Warum man dann – wenn das schließlich so häufig vorkomme – die Tiere nie bei der Tat im Motorraum antreffen würde, wollte er wissen. Ich antwortete, dass Marder ziemlich flink seien und sich vermutlich schnell aus dem Staub machten, sobald sie Menschen bemerkten. C. sprang entsetzt von seinem Stuhl auf und rief fassungslos, dass ihm derart seltsame Auswüchse der mitteleuropäischen Fauna in seinen zwölf Jahren hier bisher noch nicht untergekommen seien. Wir befänden uns schließlich in Sachsen und nicht im Urwald (selbst wenn für einige Menschen da kein gravierender Unterschied bestehen dürfte) und das könne doch alles überhaupt nicht wahr sein.

Seine Reaktion erschloss sich mir in keiner Weise, aber da Worte offensichtlich nicht zur Klärung des Sachverhalts beitrugen, entschieden wir, die ganze Sache auf die visuelle Ebene zu hieven und durchkämmten die Suchmaschine unseres Vertrauens nach dem Bild eines Marders. Als dann endlich ein entsprechendes Foto auf dem Bildschirm erschien, war das Gelächter groß. C. hatte “Marder” mit “Made” verwechselt. Und dass der Gedanke an wieselflinke, katzengroße Fliegenlarven mit braunem Fell und gesunden Beißwerkzeugen ein eher beunruhigender war, war mir dann auch durchaus einleuchtend.

link - 23.10.2005 | 14:41

Zur Selbstfindung exotische Länder zu bereisen ist doch totaler Kappes. Immerhin hat man sich in den seltensten Fällen dort verloren. Wenn einem Gegenstände abhanden gekommen sind, sucht man die schließlich auch erst mal da, wo man sie zum letzten Mal gesehen hat, und nicht irgendwo, wo es schön warm ist.

link - 23.10.2005 | 01:33

Die Ausgestopften sind die Gefährlichsten!

link - 17.10.2005 | 00:46

Where the streets have no funny names

Nizzaallee (Aachen)
Buchstaben im Doppelpack waren gerade günstig.

Sieh um Dich (Trier)
Ja, mach ich. (Seit wann duzen wir uns?)

Zur Aktien (Ilmenau)
Hatte sicherlich nach dem Gestrüpp des Jahres von anno tubak benannt werden sollen, bevor bei der Transkription des entsprechenden Stadtratsbeschlusses von einer Sekretärin mit Finanzsorgen die Freudsche Fehlleistung erbracht wurde.

Gemüfegaffe (Koblenz)
“Ja, un’ wat genau soll dat jetzt sein, diese Frakturschrift?“

link - 16.10.2005 | 13:14

“Ihr Partner erhält von uns einen Telefonanruf zur gewünschten Tageszeit. Er wird sorgfältig auf den Sachverhalt vorbereitet und unmißverständlich auf das Ende der Beziehung hingewiesen. Wir verteidigen Ihre Position vehement, nennen alle von Ihnen vorgetragenen Gründe und überzeugen den Partner vom Beziehungsende.”

link - 15.10.2005 | 23:49

Tischgespräch mit Gerlinde Sommer

Es war die erste öffentliche Veranstaltung im neuen Audimax der Bauhaus-Universität Weimar: Wladimir Kaminer liest. Außerdem auf dem Programm: ein Tischgespräch mit Gerlinde Sommer. Wer das ist und was ich mir darunter vorzustellen habe, wusste ich bis vorgestern noch nicht einzuordnen. Im Verlaufe des Abends sollte ich aber herausfinden, dass mir so etwas wie “Tischgespräch mit Gerlinde Sommer” sehr wohl geläufig war, bislang allerdings bloß unter den Namen “Fiasko”. Außerdem sollte mich auch noch der dringende Verdacht beschleichen, dass im Vorfeld der Veranstaltung wohl der Satz “Herzelein, heute abend darfst du mal neben einem richtigen Autor auf der Bühne sitzen und 350 Leute schauen dir zu.” gefallen sein muss. Aber der Reihe nach.

Nachdem Wladimir Kaminer einige seiner Texte vorgetragen hat, entert also Gerlinde Sommer von der Thüringer Landeszeitung im Audimax die Bühne, begleitet von dem Kommentar des Autors, dass es sich bei dem nun Folgenden nicht um den Auswuchs seines Hirnes sondern eine Idee des Veranstalters handelt. Frau Sommer nimmt diese Warnung offensichtlich nicht sehr ernst, lächelt zur Begrüßung schelmisch in die Runde und schafft es, nach völlig verzichtbarem Vorgeplänkel innerhalb weniger Minuten den Interviewkarren mit bemerkenswertem Geschick auf die unnachgiebigste Stelle der Wand zuzusteuern. Im Publikum die typischen Unfall-Gaffer.

Unbeabsichtigt erleben sie Sternstunden (in diesem Fall gottseidank nur Sternminuten) journalistischer Fragekunst: Ob er diese merkwürdigen Begebenheiten, die er in seinen Büchern beschreibt, denn sammele, will Frau Sommer von W. Kaminer wissen. “Wie Schmetterlinge” fügt sie noch keck grinsend hinzu, begleitet von einer neckischen Geste, die wohl eine typische Handbewegung beim Schmetterlingssammeln darstellen soll. Ob er als Kind schon mit dieser Beobachtungsgabe gesegnet gewesen sei, diesen Blick für das Skurrile gehabt habe (“Woher soll ich das wissen?”) und warum er seine Bücher nicht selbst ins Russische übersetze (“Warum sollte ich? Es macht mir keinen Spaß, das gleiche Buch zweimal zu schreiben.”). Ihr gelingt es, noch ein paar weitere bockige Antworten zu provozieren (“Soll ich jetzt in drei Sätzen was schlechtes über die USA sagen?”), bevor es Herrn Kaminer dann vermutlich endgültig zu dämlich wird. Er beschließt, einfach an den Fragen vorbei zu antworten, plaudert nett und amüsant über dies & das und wiederholt im Wesentlichen nochmal, was man bereits vor einigen Tagen hier nachlesen konnte. Schließlich liest er noch einen Text vor, während sie gar nicht daran denkt, vielleicht mal wieder die Bühne zu räumen, sondern neben ihm am Tisch auf dem ihr zugedachten Stuhl sitzen bleibt. Versprochen ist schließlich versprochen.

Gerlinde Sommer schreibt heute in der TLZ etwas verschnupft unter dem Titel “Der Solist unter den genauen Beobachtern”:

“Es steht die nächste Fußball-Weltmeisterschaft an. Wladimir Kaminer (38) könnte für Deutschland als Heimmannschaft fiebern, denn er hat seit zwei Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Nur: Mannschaftssport ist seine Sache nicht. Er bespielt seine Bühne lieber allein. Sagt das aber vorher nicht. Schließlich wurde er für “Kaminer Karaoke” verpflichtet, nicht für Fair Play.”

Es ist wohl gut, dass Frau Sommer versucht Zeitung zu machen und nicht Fußball zu spielen, denn bei letzterem ist Nachtreten soweit ich weiß verboten.

link - 07.10.2005 | 15:40

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