gut gebrüllt

Und dann war da noch das Mobilfunkunternehmen, bei dem korkbespannte Infotafeln PIN-Wand genannt werden.

link - 29.09.2005 | 08:19

Kopierpapier und Waldgetier

“Der hat dauernd Papierstau in letzter Zeit!” zetert der zur Behebung des Problems herbeigerufene N. und zerrt an der Abdeckung, die den Blick auf die Eingeweide des Gerätes freigeben soll. Hinter der geöffneten Klappe verschwindet er fast vollständig, dreht hier ein bißchen an Rädchen herum, rüttelt dort an Bauteilen. “Was kopierste denn da eigentlich?” – “Oh, weiß ich gar nicht” gebe ich schulterzuckend Auskunft und beobachte gleichzeitig S., wie er zu seinem dauerklingelnden Telefon hechtet, “J. hat mich gebeten, diesen Stapel Papier zu vervielfältigen.”

S. ist genervt und damit auch der Rest der Welt das angemessen zur Kenntnis nimmt, meldet er sich auf seiner Durchwahl abwechselnd mit “Panzerwaschanlage” und “katholisches Kinderbergwerk”. Verabschiedet werden die Anrufer jeweils mit einem polternden “Jawohl, wir hören und stören uns!”. N. kämpft derweil der Fixiereinheit Millimeter um Millimeter das zerknautschte Blatt Papier ab. Nach geglückter Operation am offenen Kopiererherzen entfaltet er es und kräuselt beim Überfliegen einiger Zeilen amüsiert die Nase. “Los, lies vor!” dränge ich und er rezitiert bedeutungsschwanger: “Der Geist des Eichhörnchens verkörpert Gottes Plan für den Wald.”

P. behauptet derweil, dass es in Österreich keine Adelstitel gibt. “Das glaube ich nicht!” tönt postwendend die Klugscheißerkampfansage von der anderen Seite der Tischinsel. Ich habe bereits in schlichtender Absicht (“Ach Kinder, er ist sahnig UND cremig!”) den Cursor im Eingabefeld der Suchmaschine platziert, da robbt plötzlich surrend das Kommunikationsbrikett über die Schreibtischplatte und teilt mir per StörMichService mit: “Hilfe, habe gerade festgestellt dass meine Ohren zu weit hinten am Kopf sind!”. Hilft alles nix, die Adeligen-Beweisführung muss warten. Noch über eine aufmunternde, aber dennoch ausreichend sensible Antwort auf den Befund dieses anatomischen Makels sinnierend winke ich J. heran, der gerade vorbeiläuft und raune ihm zu “Sag mal, ist eigentlich alles in Ordnung bei dir?” – “Äh, ja, alles bestens,” stutzt er, “wieso?” – “Naja, wegen dem Eichhörnchen.” – “…?!” – “Ach, schon gut”.

link - 23.09.2005 | 10:24

rekursiv

“Wissen sie, woraus der Leberkäs gemacht wird?
Aus den Resten von der Knackwurst.
Und wissen sie, woraus Knackwürste gemacht werden?
Aus den Resten vom Leberkäs.”

(Silentium)

link - 16.09.2005 | 13:57

Seelenfrieden und Sozialkontaktpflege für 1,25 €*

* geschätzte Materialkosten

Sie haben also beschlossen, in diesem Sommer nicht wegzufahren und ihren Urlaub zu Hause zu verbringen. Lassen sie sich zu ihrer klugen Entscheidung beglückwünschen. Seien sie sich außerdem versichert, dass sie sich für das angesagteste Urlaubsziel des Jahres entschieden haben. Sollten sie bereits Zweifel an der Richtigkeit ihres Vorhabens überkommen haben, kann ich sie beruhigen: Schöner als zu Hause ist es woanders auch nicht, denn egal was man in den Koffer packt, hat man doch immer auch sich selbst im Reisegepäck.

Selbstverständlich verdrängt man diesen Umstand bisweilen bei der Planung gerne, vor Ort ist es dann aber doch immer das gleiche Kreuz. Was außerdem mal wieder nicht im Katalog stand: Alles so fremd, seltsame Sitten und Bräuche, kein Schwein versteht Deutsch und Schnitzel gibt es auch nirgends. Da bleibt man doch besser gleich daheim.

Aber, so höre ich sie bereits sanften Protest anstimmen, was werden denn die anderen denken, die Nachbarn, Bekannten und Verwandten, wenn sie gar keine Postkarte erhalten, keinen schriftlichen und bebilderten Gruß aus dem Feriendomizil? Existieren doch vom Urlaubsort, sofern es sich bei diesem um die heimischen vier Wände handelt, meist keine entsprechenden Ansichtskarten, die man versenden könnte, um Personen, die einen kennen und/oder mal können, angemessen über lokale Witterungsverhältnisse sowie den Zustand der Unterkunft zu informieren oder sie darüber aufzuklären, wie ausgezeichnet es um das eigene Befinden steht.

Ein Hinderungsgrund ist dieser Mangel indes nur vorgeblich, kann man doch, selbst mit mittelmäßigem gestalterischem Geschick bedacht, entsprechendes Postkartenmaterial hervorragend selbst anfertigen:

Viele Grüße aus Balkonien!

link - 12.09.2005 | 00:17

KW 36

.: Scheiß auf den Sommer (revisited): mit General Bergfrühling Küche und Bad geputzt. Natürlich mit der passenden musikalischen Untermalung, denn ich bin ja im Besitz der Rossmann Putz-CD. Die enthält u.a. den General-Werbesong (Lied #8) und daneben noch eine Menge anderer Musik, die einem als ehemaliger TV addict (glaubt mir ja heute kein Mensch mehr) sehr bekannt vorkommt, wenn auch nicht unter ihrem richtigen Namen. Tanz der Stunden aus “La Gioconda”? Coppenrath & Wiese! Radetzkymarsch? Bonduelle! (Ja der Mais, der Mais, der Mais marschiert…)

.: Der Reinigungsaktion vorausgehendes polyglottes Zerwürfnis vorm Supermarktregal: Meister Proper Allzweckreiniger ist mehrsprachig beschriftet. Auf Französisch erhältlich in den GeschmacksDuftrichtungen citron d’été und verger au printemps. Auf Deutsch unerklärlicherweise völlig vom jahreszeitlichen Kontext befreit: Citrusfrische und Apfelfrische. Ich möchte gar nicht wissen, wie etwas riecht, das sowohl einem Vergleich mit Äpfeln als auch mit Obstbäumen im Frühling standhalten soll. Vermutlich wurde dem Chef-Chemiker angetragen: “Kreier mal irgendwas, das wie ein grüner WC-Stein riecht.”

.: Mache gerade eine hibbelige Phase durch, die es mir verunmöglicht, bei der Nahrungsaufnahme still zu sitzen. Werte das als vertane Lebenszeit und verspüre regelmäßig den dringenden Wunsch, beim Kauen noch irgend etwas anderes zu machen, herumzulaufen oder mit dem Auto irgendwohin zu fahren (Fahren bedeutet natürlich auch wieder sitzen, aber da bewegt sich wenigstens die Straße unter einem [alles eine Frage des Bezugspunkts]). Aufmerksam wurde ich auf diesen Umstand, weil die Bauarbeiter vom Nachbargrundstück mich in letzter Zeit kaum noch mit “Guten Tag” begrüßen, wenn ich das Haus verlasse oder betrete, sondern meistens mit “Guten Appetit”.

.: Der geschätzten Automobilindustrie zur freundlichen Beachtung: Getränkedosenhalter im Auto sind schon eine grandiose Erfindung, noch besser wären Eishörnchenhalter.

.: Habe einen Arbeitskollegen (nach)namens Wukitz. Muss ihn unbedingt dazu überreden, ein Weblog einzurichten. Mit welchen Inhalten er es füllt ist mir völlig wurscht, hauptsache er nennt es “Wukitz on the blog”.

.: “Dein Hund streckt mir die Zunge raus”, sage ich zu S., die ein Tierchen im Arm hält, das in Größe, Form und Farbe dem struppigen Teil einer Klobürste (reichlich benutzt) nicht unähnlich ist. Wie ich erfahre, steckt die Klobürste gerade mitten im Zahnwechsel. Und da alle frontalen Milchzähne mittlerweile über den heimischen Teppich der S. verteilt lägen oder in den weicheren Teilen ihrer Einrichtungsgegenstände steckten, wo sie nun allem möglichen Widerstand böten, bloß nicht mehr der Klobürstenzunge, hänge der rote Lappen jetzt erstmal bis auf weiteres raus.

.: mdr my love: Nicht schlecht verwundert war ich über die unverhohlene Waffenverherrlichung in Schlagern, die von griechischen Urlaubsorten handeln: “Wenn die Bouzouki kliiiii-hiiingt…”. Zwischenzeitlich wurde mein Weltbild aber wieder gerade gerückt, denn ich habe in Erfahrung gebracht, dass es sich dabei gar nicht um das gleiche handelt wie bei einer Bazooka.

link - 11.09.2005 | 16:17