gut gebrüllt

Kevin Laura Marder an Bord

Als ich beim Nachfüllen des Scheibenwischwassers an meinem Auto zum ersten Mal eine angefressene Brötchenhälfte im Motorraum entdeckte, war ich ein wenig irritiert. Ich hatte die dort nicht abgelegt, da war ich mir sicher. Bei Überlegungen zur Urheberschaft des Kunstwerks “Backware an Motorblock” dämmerte mir bald, dass mit der “Mördebirne”, die das Zündkabel laut meiner Interpretation des letzten Inspektionsprotokolls aufweisen sollte, wohl “Marderbisse” gemeint waren. Mechanikerhandschrift, ey! So regelmäßig wie unüberrascht extrahiere ich seitdem in loser Folge Gegenstände aus dem Motorraum, wie kürzlich einen dicken Stein, Knochenstücke, mehrere Büschel Federn und eine tote Maus. Der Marder legt also öfter mal ein paar Sachen unter der Motorhaube ab, ich mache später den Deckel vom Auto auf und räume das Zeug wieder weg.

In meiner Rolle als Entropiepumpe gefalle ich mir nicht besonders gut. Wenn ich Spaß daran hätte, anderen hinterherzuräumen, dann wäre ich ja längst verheiratet. Aber ich spiele trotzdem mit. Hauptsächlich mangels Alternativen. Mittlerweile wieder aufgegeben habe ich sämtliche Methoden der psychologischen Kriegsführung, wie z.B. gelegentlich woanders zu parken oder erst morgens heimzukommen, damit das Tier mit seinem angeschleppten Krempel die ganze Nacht vergrätzt auf dem leeren Parkplatz wartet. Die erhoffte Zermürbung stellte sich dadurch zwar zuverlässig ein, leider allerdings bei mir. Und meine Idee, den kompletten Motorraum für sanfte Marderepilation mit Kaltwachs-Enthaarungsstreifen auszukleiden, habe ich gar nicht erst in die Tat umgesetzt. Ich habe mich jetzt einfach mit der Situation arrangiert. Wer sich nicht aufregt, lernt ja auch nichts Neues. Und schließlich könnte es noch viel schlimmer kommen, bisher hat er immerhin noch nicht in den Wischwasserbehälter gekackt. Außerdem schlägt mir auch immer wieder ungeahnte männliche Bewunderung entgegen, wenn ich an der Tankstelle mit Schwung die Motorhaube aufreiße und energisch zwischen den Kabeln und Schläuchen rumwühle. Denken sich die Jungs doch alle: Teufelsweib! Hat die auch noch Ahnung von dem ganzen Krempel! Dabei suche ich bloß nach Kleintierkadavern und Käsebroten.

Eine Sache, die habe ich dem Marder allerdings bis heute nicht verziehen und das ist das Ding mit der Antenne. Sich einfach marderüblich kreuz und quer durch die Dämmwolle zu fressen und ab und zu ein paar Souvenirs zu hinterlassen muss ihm irgendwann zu öde geworden sein. Pfotenspuren auf dem Autodach zeugten jedenfalls bald von regelmäßigen Kämpfen mit der Dachantenne, die nach einer Weile auch entsprechend zerfleddert aussah. Freunde fühlten sich daraufhin vor einiger Zeit bemüßigt, mir eine neue Antenne zu schenken, und zwar so ein verchromtes Kurzstabding. Durch das Fehlen jeglicher Gummiteile weitestgehend mardersicher, außerdem starr und damit für die tierische Zielgruppe vermutlich uninteressant. Und in der Tat, so war es. Die neue Antenne – ein voller Erfolg. Seitdem keine Pfotenabdrücke mehr auf dem Dach. Seitdem allerdings auch nur noch sporadisch Radioempfang. Die Dekoantenne abzumontieren und den fleddrigen Marderknüppel wieder draufzuschrauben traue ich mich aber nicht. Unter anderem war nämlich mein Nachbar an der Kurzstabantennenschenkung beteiligt. Er hat direkten Ausblick auf meinen Parkplatz und ist garantiert beleidigt wenn er den Austausch bemerkt, weil das dann so aussieht, als gefalle mir das Geschenk nicht. Anschließend tratscht er weiter, was für ein undankbares Geschöpf ich bin, und dann habe ich zwar Radioempfang aber keine Freunde mehr. Auch nicht gut.

Bis ich eine Lösung für diesen Konflikt gefunden haben werde, höre ich also beim Autofahren den Sender, den ich am störungsbefreitesten empfange. Das ist – da muss man ganz tapfer sein – in den meisten Fällen leider der mdr. Mittlerweile spreche ich mich nachdrücklich für eine Sonderbesteuerung von Liedern aus, in denen sich “hasta la vista” auf “and then I kissed her” reimt bzw. reimen soll. Darüber hinaus sollte man dringend auch Steuern auf Liedgut erheben, in welchem Zitate alter Griechen herangezogen werden, um gequirltes Eso-Gefasel zu untermauern:

Alles fließt, alles fließt
in der vierten Dimension
alles fließt, alles fließt
und vereinigt sich im Strom
alles fließt, alles fließt
bis sich der Kreislauf wieder schließt

Außerdem würde ich mal gerne wissen, warum ich mir solche Verse problemlos einige Tage lang merken kann, hingegen aber bereits 2 min nach dem Fassen des Entschlusses wieder vergessen habe, dass ich noch Milch kaufen wollte und deswegen jetzt schon wieder den Kaffee schwarz trinken muss.

link - 28.08.2005 | 13:19

Technikerprosa – ein Erklärungsversuch

Wetten, provozierte der Manfred vielleicht den Eberhard (oder der Eberhard den Manfred), wetten, dass du es nicht schaffst, in dem Manuskript für unser Buch möglichst unpassend die Namen von drei rhetorischen Figuren unterzubringen? Eine davon dürfe auch gerne adjektivisch gebraucht werden. Kein Problem, triumphierte Eberhard (oder Manfred) möglicherweise und heraus kam dabei:

“Die Begriffe Dämpfung, Absorption und Dissipation werden manchmal synonym verwendet, manchmal aber auch in ihrer Bedeutung spezialisiert. Absorptions-Schalldämpfer ist also nicht etwa ein Pleonasmus, oder – etwas euphemistischer ausgedrückt – eine Tautologie, sondern eine Alternative zum Reflexions-Schalldämpfer.”

(M. Zollner, E. Zwicker: Elektroakustik)

link - 20.08.2005 | 19:58

“Da brauchen wir nen Adapter von XLR auf Gardena.”

link - 20.08.2005 | 15:12

Schlimmes Wochenende gehabt: von vierköpfiger Reisebegleitung in eine CenterParcs Urlaubshölle verschleppt worden und schwer an der kognitiven Dissonanz aufgrund 1a-Miturlaubern und nicht ganz so 1a-Location zu knabbern gehabt. Zunächst Beinahe-Beilegung des Interessenkonflikts zungunsten ersterer, vollständige Aussöhnung mit der Situation wurde allerdings verhindert durch das Mitführen der falschen Reiselektüre, die das schwelende Gluthäufchen der Abneigung gegen diese Form kollektiven Urlaubserlebens immer mal wieder neu entfacht hat:

“Es werden schon lange keine Beweise mehr gebraucht, daß man es auf der Welt nicht aushalten kann, aber hier wird gerade wieder einer geliefert.”

(Wilhelm Genazino: Ein Regenschirm für diesen Tag)

Außerdem Zeuge bzw. Opfer geworden von urlaubsinduzierter Spontanfraternisierung mit Autofahrern gleichen Kfz-Kennzeichens:

Letzten Endes aber doch hinter den eigentlichen Daseinszweck solcher Freizeitanlagen gekommen: Assessment Center für Familienplanungswillige. Jeder, der ernsthaft darüber nachdenkt, sein Genmaterial weiterzugeben, sollte an einem Tag in der Hauptferiensaison zum Aufenthalt im subtropischen Badeparadies eines derartigen Urlaubsparks genötigt werden. Wer sich seines Wunsches Kinder in die Welt zu setzen anschließend immer noch sicher ist, der soll das ruhig tun, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

link - 14.08.2005 | 22:24

Bitte melde dich!

Liebe/r Anrufer/in,

so geht das nicht. Wenn du immer gleich auflegst, sobald ich das Telefon abhebe, wird das nichts mit uns beiden. Ich bin eine der letzten, die sich modernen Kommunikationsformen gegenüber nicht aufgeschlossen zeigen würden, aber so leid es mir auch tut: Telefonieren basiert nun mal auf Wechselseitigkeit. Ich rede ein bisschen, du redest ein bisschen – so funktioniert das eben.

Und was habe ich nicht alles versucht, um dich ebenfalls zum Sprechen zu bewegen. Habe mich mit meinem Namen gemeldet, mal mit dem kompletten, mal bloß mit dem Nachnamen, gelegentlich auch nur mit ‘ja’ oder mit ‘hallo’, habe extra vor dem Abheben noch mal fix in den Spiegel gelächelt für einen entspannten Tonfall. Aber deine Antwort ist immer: klick.

Aktuell in Planung ist übrigens eine dreiwöchige Whiskey-Kur zur Veredelung meiner sexy Stimmlage. Hoffentlich wirst du es mir danken. Du weißt vermutlich gar nicht was dir entgeht, wenn du jedes Mal gleich auflegst. Das Beste versäumst du ja, wenn du mich gar nicht weiter zu Wort kommen lässt, denn Gespräche mit mir sind äußerst kurzweilig. Ich bin charmant und eloquent (und außerdem höchst bescheiden) und fackele in jeder Unterhaltung ein Feuerwerk an sprühenden Einfällen und geistreichen Ideen ab. Auch am Telefon. Da jagt ein Kracher den nächsten. Zwar auf magere 3 kHz bandbreitenbegrenzt, aber für die krüppelige deutsche Telekommunikations-Infrastruktur bin ich schließlich nicht verantwortlich.

Vielleicht bist du ein Mann. So ein richtiger Kerl, der anderthalb Beck’s frühstückt, mit dem Augenlid Kronkorken öffnen kann und an dessen kantigen Wangenknochen man sich blaue Flecken stößt. Rrrrrrrr! Du besitzt außerdem eine Bohrmaschine, eine Stichsäge und einen Akkuschrauber oder hast wenigstens ein Telefon, mit dem man jemand anrufen kann, der eine Bohrmaschine, eine Stich… äh – halt. Dass du ein Telefon hast, das weiß ich ja inzwischen. Also: Melde dich und gib uns beiden eine Chance! Auch wenn du nicht in mein Beuteschema passt – melde dich trotzdem! Ich brauche nicht nur einen Mann, ich brauche auch Personal.

Vielleicht bist du eine Frau. Auch toll. Melde dich! Wir könnten dicke Freundinnen werden, uns zur Begrüßung kreischend um den Hals fallen, gemeinsam fernsehen, zusammen Urlaub auf dem Reiterhof machen und uns gegenseitig die Haare schneiden. Was richtige Freundinnen eben so veranstalten. Ich könnte dir auch mal meinen Nachbarn vorstellen. Der vergisst gelegentlich, von neuer Oberbekleidung vor dem ersten Tragen sämtliche Preisschildchen, Pappschienen und Qualitätskontrolle-Aufkleber zu entfernen, aber davon mal abgesehen ist er ein ziemlich netter Kerl.

Wie auch immer, ich würde dich gerne kennen lernen. Vermutlich kennen wir uns auch bereits, wo solltest du denn sonst meine Telefonnummer her haben? Ach, und mein Nachbar ist dir auch schon bekannt? Das verwundert mich nur mäßig, denn er erhält seit einiger Zeit ebenfalls solche Anrufe, sogar gleich auf zwei seiner multiplen Telefonnummern, die - wie auch meine Rufnummer - in keinem Telefonnummernverzeichnis zu finden sind.

Findest du das nicht ein bisschen seltsam?
Ich schon.

link - 08.08.2005 | 22:22

Meinten Sie: Steinfrüchte

link - 06.08.2005 | 15:42

“Die Bezeichnung Meeresfrüchte ist beknackt. Total verschwurbelt, wieso nennt man die nicht einfach Meerestiere?”
- “Ich finde das hübsch metaphorisch. Ein bildhafter Ausdruck eben für alles, was so im Meer wächst und gedeiht.”
- “Ach ja, und Kühe und Schweine – das sind bei dir dann Stallfrüchte?”

link - 06.08.2005 | 15:41

irreführende Tierlaute

Und dann gibt es da noch das Asia-Restaurant, das auf seiner Karte jetzt auch thailändische Gerichte hat, die komplizierterweise keine asiarestaurantüblichen Nummern sondern (vermutlich) thailändische Namen tragen. Zum Beispiel “Pa Näng Muh” und dabei handelt es sich um – hoho, reingefallen! – um Schweinefleisch.

link - 06.08.2005 | 13:43