gut gebrüllt

Wehe!

Wehe!

link - 31.01.2005 | 12:15

Offener Brief an Frau S.

Liebe Frau S.,

jetzt wohnen wir schon seit anderthalb Jahren im gleichen Haus und haben uns noch nie ernsthaft miteinander unterhalten. Gut, dass wir das am Wochenende endlich mal nachgeholt haben. Schade allerdings, dass sie mir dabei nur mitteilen wollten, dass sie die ganze vorherige Nacht wachgelegen haben, weil sie bis 4 Uhr in meiner Wohnung dem Verrücken von Stühlen gelauscht haben wollen.

Prinzipiell könnte das schon so gewesen sein, da ich durchaus im Besitz von verrückbaren Stühlen bin und auch Besuch hatte, der sich kräftemäßig sicherlich zum Verrücken von Stühlen in der Lage gefühlt hat. Aber ich will gar nicht mit ihnen streiten. Mit zunehmendem Alter wird man ja immer gelassener und nachsichtiger und weiß, dass das ohnehin zu nichts führt. Und vielleicht war es nur ein ungeschickt gewählter Aufhänger von ihnen, um ein Gespräch mit mir anzufangen. Vielleicht wollten Sie einfach nur mal reden. Das ist völlig in Ordnung, ich höre gerne zu. Hoffentlich haben sie mir im Gegenzug dafür aber auch richtig zugehört. Ich habe zwar eingeräumt, dass ich es ernsthaft bedaure, der vermeintliche Anlass für ihre Schlaflosigkeit zu sein, ich habe allerdings mit keinem Wort erwähnt, dass ich mir diesen Schuh auch anziehe und/oder dass es nicht wieder vorkommen wird.

Aber mal ganz im Vertrauen, wo wir schon so lange Nachbarn sind, kann ich ihnen die Wahrheit ja erzählen: Die Geräusche, die sie gehört haben, die wurden gar nicht von verrückten Stühlen (haha, was für ein kurioses Wortspiel. Lustig, Frau S., oder?) verursacht. Zunächst fing die ganze Feier ja noch recht friedlich an, mit Kakao und Kuchen, Topfschlagen und Plumpsack spielen. Lauter wurde es erst, als einer durchs Fenster aufs Dach geklettert ist, um Passanten mit Hackfleischbällchen zu bewerfen. Da ist dann auf einmal alles aus dem Ruder gelaufen. Plötzlich schwang jemand tarzanartig mit einer Flasche Havana Club unter dem Arm an der Gardine durch die Wohnung und ziemlich schnell hat sich ein Grüppchen zusammen gefunden, das nah an der Eigenresonanzfrequenz der Outdoor-Area auf dem Balkon rumgehopst ist und dazu lustige Lieder sang. Unentwegt wurde dabei der erfrorene Schnittlauch aus dem Blumenkasten in zusammengerollte Zigarettenpapierchen umgebettet und über die Atemwege dem Stoffwechsel zugeführt, während drinnen die restlichen Gäste nackt auf dem Tisch tanzten. Ausgelassenes Treiben, Einnahme bewusstseinserweiternder Substanzen, freie Liebe – was junge Leute eben so anstellen, wenn sie Geburtstag feiern. Zu guter Letzt hat dann irgendwer noch die Rugbymannschaft aus dem Kleiderschrank rausgelassen. Dass das alles nicht ganz geräuschlos vonstatten gegangen sein kann, können sie sich sicherlich lebhaft vorstellen.

Und glauben sie mir, es ist mir wirklich unangenehm, dass sie meinetwegen nicht schlafen konnten. Mir laufen ja immer mal wieder Personen über den Weg, für deren schlaflose Nächte ich mitunter gerne der Grund wäre (denken sie nur an die erwähnte Rugbymannschaft), aber seien sie sich sicher, sie gehören ganz bestimmt nicht dazu. Sollte ich eines Tages noch herausfinden, wer es war, der zwischen 2:30 und 4:00 als alle Gäste schon gegangen waren und ich bereits weitestgehend geräuschfrei geschlafen habe hier in meiner Wohnung Stühle gerückt hat, dann sind sie die allererste, die davon erfahren wird, versprochen!

Wo wir jetzt so dicke Freunde sind, Frau S., da möchte ich sie dann auch gleich schonmal zu meiner Geburtstagsparty im nächsten Jahr einladen. Die steigt selbstverständlich, sie ahnen es bestimmt schon, unter dem Motto “bring your own chair”.

link - 31.01.2005 | 11:10

Junges Literaturforum Hessen-Thüringen

Achtung, zur Abwechslung mal etwas Seriöses:
Am 31.01. ist Einsendeschluss für den Literaturwettbewerb des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen.

“Wer Lust am Schreiben hat, sein kreatives Talent ausprobieren will, zwischen 16 und 25 Jahre alt ist und in Thüringen oder Hessen wohnt, kann seine Texte noch bis zum 31. Januar 2005 an das Thüringer Kultusministerium bzw. das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst schicken. Die selbst verfassten Arbeiten – entweder drei Gedichte oder eine Kurzgeschichte (maximal drei Schreibmaschinenseiten) – sind mit Name, Adresse, Geburtsdatum und ggf. E-Mail-Adresse einzureichen.”

link - 26.01.2005 | 12:53

Persönlichkeitsproblemzonentraining

Neulich zusammen mit J. ein Komplott unglaublichen Ausmaßes aufgedeckt: Die Skigymnastik-Verschwörung. Überhaupt, Skigymnastik. Sucht man dazu Informationen, stolpert man fast ausschließlich über Webseiten, auf denen es entsprechende Vorturn-Videos gibt, angesichts derer man vermuten könnte, dass in diesem Bereich der Körperertüchtigung die Zeit vor einigen Jahren stehen geblieben ist. Außerdem sieht es so aus, als ob die gesamte Skigymnastikvideo-Industrie von viel größerem Ausmaß ist als bisher von uns angenommen. Und was da alles für Berufsbilder mit drinhängen: Skigymnastikvideoproduzent, Skigymnastikvideokulissenbauer (stilisierte Berge in Pastelltönen!), Skigymnastikvideovorturner, Skigymnastikvideovorturnerbekleidungsdesigner (Zebramuster-Leggings!), Skigymnastikvideovorturnerfriseur (Fönwelle!).

Aber zurück zu der Verschwörungstheorie. J. macht mal eben den “Umsteiger”, während ich den “Storchenstand” austeste. Nebenbei schauen wir entgeistert die Vorturn-Videos der TELE-GYM-Reihe an und sind fassungslos. So ungesund wie die ganzen Übungen aussehen, liegt ein Verdacht nahe: Als Auftraggeber steckt sicherlich der Internationale Skiverband dahinter. Und vermutlich besteht der einzige Sinn der Übungen darin, dass die unbegabtesten Tölpel sich bereits bei der Vorbereitung ihres Skiurlaubs Verletzungen zuziehen, die das anschließende Skifahren unmöglich machen. Durch ihre Talentlosigkeit potentiell Unheil auslösende Personen werden damit wirksam von der Piste fern gehalten und entscheidende Gefahrenquellen schon im Vorfeld elegant ausgeschaltet.

Andere einschlägige Seiten halten neben Video-Anleitungen auch noch gut gemeinte Fitnesstips parat, die in allgemeinen, spaßverderbenden Ernährungsregeln gipfeln: “Lassen Sie beim Fernsehen die Chips weg.” J. vermutet dahinter einen ganzheitlichen Ansatz. So eine Art Allround-Training. Neben dem Aufbau reiner Muskelstärke werde mit der Chips-Weglass-Übung auch noch die Willensstärke gefördert, nimmt sie an, damit man hinterher physisch und psychisch gestählt auf den Brettern stehen kann. Das klingt einleuchtend, allerdings vermisse ich auf dem Trainingsplan eine gesonderte Berücksichtigung der kritischen Bereiche: analog zu Bauch-Beine-Po-Übungen ein Selbstsicherheits-Gelassenheits-Zufriedenheits-Workout zur Bedienung der Dreifaltigkeit der Persönlichkeitsproblemzonen. Eine solche Übungsserie könnte zum Beispiel schon mal damit beginnen, dass man beim Anschauen der TELE-GYM-Videos statt mitzuhopsen auf dem Sofa Platz nimmt und die Chipstüte wieder auspackt. Hoffentlich macht das auch gegen 80er-Jahre-Frisuren immun.

link - 24.01.2005 | 09:30

Frühstück, katzenhaltig. Teil II

‘Plock’ macht es, und das Marmeladenbrot landet mit der klebrigen Seite auf dem Teller. Sofortiges Ingangsetzen der Assoziationskette Marmeladenbrot – Katze – zur vollständigen Umdrehung benötigte Mindestfallhöhe und die anschließende Frage, welches Körperteil dem Marmeladenbrot im Vergleich zur Katze denn nun dazu fehlt:

- “Die balanciert das mit dem Schwanz aus und dreht sich im Fallen wieder richtig rum hin.”
(empört): – “Die ist ja total schwanzgesteuert!”

[Hinweis: (schließlich haben wir hier auch einen Bildungsauftrag!)
Wie wir alle wissen, sind Katzen selbstverständlich gar nicht schwanz- sondern rückgratgesteuert.]

link - 21.01.2005 | 15:27

Frühstück, katzenhaltig.

- “Warum kaufst du Ingwermarmelade, wenn du sie gar nicht magst?”
- “Ich wusste ja vorher nicht, dass ich sie nicht mögen werde. Ich hab quasi die Katze im Sack gekauft.”
- “Katze im Sack? Marmelade im Glas!”
- “Sack, Glas – alles so Behältnisse eben. Und die Katze, naja… wenn du die Marmelade gut pflegst, wird sie irgendwann genau so flauschig.”

link - 21.01.2005 | 14:47

Meta-Käse

Käse mit Käsegeschmack. Danke, Lebensmittelindustrie!

Meta-Käse

link - 17.01.2005 | 15:56

“Und die Sabine, die ich meine, nennt sich Maja.”

link - 06.01.2005 | 23:31

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