gut gebrüllt

Baustelleninduzierte Einsicht.

Jetzt ist es raus: Ich bin ein Baustellenmagnet. Egal wohin ich auch umziehe, es dauert nicht lange bis Personen auftauchen und in unmittelbarer Nähe unter dem fadenscheinigen Vorwand der Kanalsanierung, des Tiefgaragenbaus oder der Leitungsneuverlegung den Boden aufreißen. Das alleine wäre noch nicht mal tragisch, denn meinetwegen kann jeder Löcher graben wo er möchte ohne mir seine Beweggründe dafür zwingend näher zu erläutern. Aber leider geht das ja alles nicht ganz geräuschlos vonstatten. Schließlich halten sich die Jungs ausnahmslos an Regel Nr. 3 des ungeschriebenen Bauarbeitergesetzes, die da lautet: wenn Du morgens zu arbeiten anfängst, beginne mit der Tätigkeit, die am meisten Lärm macht. Erkundigten sich bei Telefonaten mit geöffnetem Fenster aufgrund der Geräuschentwicklung der nahen Bundesstraße die Personen am anderen Ende bisher ganz gerne mal, auf welchem Autobahnrastplatz ich da eigentlich wohnen würde, so häufen sich mittlerweile stattdessen die besorgten Fragen, wie ich es denn noch rechtzeitig nach draußen schaffen wollte, bevor die Abrissbirne meine Etage erreicht habe.

Vermutlich selbstredend, dass keine Gefahr besteht, den täglichen Return of the Rüttelplatte eines Morgens mal aus Versehen zu verschlafen. Also eigentlich beste Voraussetzungen für einen produktiven Vormittag. Wenn man eh wach ist, kann man zum Beispiel endlich mal den schon seit Wochen herumliegenden Schubladengriff wieder ankleben, der damals abgebrochen ist, weil der Lautsprecher darauf gefallen war, welcher – eigentlich auf dem Schreibtisch stehend – außerplanmäßig den Verlockungen der Schwerkraft nachgegeben hatte, nachdem ich in sein herunterhängendes Kabel getreten bin, weil… weil? Ja, das wüsste ich auch mal gerne.

An dieser Stelle ein wichtiger Verbraucherhinweis: Achtung – Sekundenkleber ist des Teufels. Wenn man sich nämlich bei seiner Handhabung ungeschickt anstellt, dann kann es schon mal passieren, dass man ungeplant längerfristige Bindungen zu Gegenständen eingeht und sich versehentlich eine, sagen wir mal: eine Pinnwand ans äh, zum Beispiel ans Knie pappt. Also nicht dass ich da jemand persönlich kennen würde, dem das schon mal passiert ist.

Oder man kann Staubsaugen. Auf das bisschen Krach kommt es dann nämlich auch nicht mehr an. Bald verschmilzt das von gelegentlichem Geklackere (wie kommt das Kleingeld unters Sofa?) durchsetzte sonore ‚Möööhhh’ des Dreckfressers mit der restlichen Geräuschkulisse und kontrapunktiert spannungsreich die Klangcollagen des Asphalt-Orchesters. Für das Extraplus an Erkenntnisgewinn empfiehlt es sich, vorher noch den Staubsaugerbeutel auszuwechseln und falsch neu einzusetzen, so dass der ganze Schmodder daran vorbei geblasen und im Plastikgehäuse verteilt wird. Es könnte nämlich sein, dass man plötzlich von tiefem Verständnis für Nerd-Bekannte erfüllt wird, wenn einem in Anbetracht des schmutzigen Geräteinnenlebens unerwartet klar wird, warum sich Programmierer immer so ins Hemd machen, wenn es um Rekursionsprobleme geht.

link - 07.09.2004 | 23:51