gut gebrüllt

Es stinkt.

Und zwar nach Essen. Na, na, höre ich schon die ersten Protestrufer dozieren: was ist denn das für eine Einstellung? Essen stinkt doch nicht. In Afrika verhungern reihenweise Kinder, weil sie nichts zu essen haben, und du, du hast… Ja, was hab ich? Auch nichts zu essen*. Bloß den Geruch davon in der Wohnung. Und das liegt an folgendem Sachverhalt:

Bei dem Einrichtungsgegenstand in meiner Küche, den ich zum Zeitpunkt meines Einzugs irrtümlicherweise für eine Dunstabzugshaube gehalten habe, handelt es sich in Wirklichkeit um eine hauseigene Küchengeruchsverteilungsanlage. Was sicherlich ursprünglich eine gut gemeinte Idee war. Sozialistisches Gedankengut at its best: wenn einer kocht, dann sollen alle etwas davon haben. Und sei es auch nur den Geruch.

Dieser kriecht nämlich, sobald jemand im Haus zu Topf oder Pfanne greift, aus dem Metallgitter über der Spüle quer durch die ganze Wohnung, fräst sich zielstrebig seinen Weg durch Nase und Nebenhöhlen in sämtliche Hirnwindungen, wo er am Hypothalamus angekommen dafür sorgt, dass man umgehend den Hals des Gestankverursachers wie die Enden eines Handtuchs packen möchte und wringen, wringen, wringen. So lange bis man nicht mehr genau weiß, ob man sich den letzten halben Satz wirklich selbst ausgedacht oder aus einem SZ-Streiflicht der letzten Woche abgeschrieben hat.

Ein Problem, vor dem auch deutsche Ingenieurskunst kapitulieren muss. Kürzlich habe ich Kollegen A. in der Mensa – dem Epizentrum der Essensgerüche – getroffen. Da er in der Abteilung Gebäudeautomatisierung arbeitet und sich gerade ein Belüftungskonzept für eine namhafte sächsische Kirche, derzeit Großbaustelle, ausdenkt, wähnte ich ihn aufgrund dieser geradezu omenhaften Begegnung als den richtigen Ansprechpartner für mein Haushaltsproblem. Nach einem gescheiterten Versuch, die Funktionsmängel auf Bedienfehler meinerseits abzuwälzen, suchte er allerdings Rettung in fadenscheinigen Ausreden und schob den schwarzen Peter letztendlich an die Meteorologen weiter: Es liegt am Hochdruckgebiet. Oder am Tiefdruckgebiet. Wer weiß das schon so genau. Auf jeden Fall drückts. Nämlich die Luft, die nach oben abziehen soll, wieder rein. Was für ein Drama. Ich denke ernsthaft über die Anschaffung eines Barometers zur Verifizierung dieser These nach.

*Bitte keine Carepakete. Natürlich habe ich etwas zu essen. Ich log bloß der Dramaturgie halber.

link - 11.02.2003 | 21:43